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Kochen in der Krise (ohne Strom)

Jetzt haben wir uns einen schönen Vorrat an Lebensmitteln angelegt (z.B. mit meinem Beitrag hier), doch wie bekommen wir die Nudeln oder den Reis gar, wenn der Herd in der Küche für die nächste Zeit den Dienst verweigert?

Wir sind alle heutzutage so an Strom gewöhnt, dass es im Falle eines längeren Stromausfalles sehr schnell ungemütlich werden könnte. Das betrifft nicht nur so offensichtliche Dinge, wie z.B. das Licht am Abend. Auch die Nahrungszubereitung auf unseren Ceran- oder Induktionskochplatten könnte sich als etwas schwierig erweisen. Wohl denen, die mit Gas kochen, doch wer weiß, wie lange ein öffentliches Gasnetz bestehen bleibt, wenn die restliche Infrastruktur entfällt? Sind Gaswerke und Pumpen nicht auch von Strom abhängig? Gas gehört – neben Strom und Kraftstoff – zu den Dingen, die in einer Krise am schnellsten rar werden. Für kürzere Krisensituationen (wenige Tage) ist ein Gaskocher eine wirklich gute Anschaffung. Diesen kann man nebenbei auch gut für Feste und Feiern im Garten, beim Camping oder für viele andere Dinge benutzen. Es gibt günstige Gaskocher, oder eben auch Hockerkocher, auf die man selbst große Töpfe und Pfannen stellen kann.

Natürlich benötigt man hierzu Gasflaschen, doch diese kann man sich relativ günstig besorgen und ein oder zwei Exemplare davon bevorraten. Plant man jedoch zusätzlich mit Gas zu heizen, braucht man selbstverständlich mehr davon.

Campingkocher im Einsatz

Zieht sich die Krise jedoch in die Länge, ist das Gas schnell leer und die Küche bleibt kalt. Was gibt es für Alternativen? Wie haben Menschen vor hunderten oder gar tausenden Jahren nochmal gekocht? Ach ja, Feuer!

Viele Menschen heutzutage bekommen schon Probleme, wenn Sie mal ein einfaches Lagerfeuer entzünden sollen. Immerhin gibt es ja Grillanzünder, oder es wird halt ein Schluck Benzin über das trockene Holz gegossen und schon brennt das Osterfeuer, der Grill oder der Kamin. Gut und schön, aber im Falle eines Falles haben wir nun nicht mal eben ausreichend Grillanzünder zur Hand, um täglich 1-2 Male ein Feuer zu Koch- und Heizzwecken zu entzünden. Das Benzin (falls überhaupt vorhanden) ist viel zu wertvoll, als dass wir es verbrennen sollten.

Wann kommt man schon mal in die Situation, ein einfaches Holzfeuer / Lagerfeuer nur mit gesammeltem Holz und einem Streichholz entfachen zu müssen? Das ist zwar wirklich keine Raketenwissenschaft, aber man sollte es dennoch hin und wieder mal versucht haben. Was spricht dagegen, den eigenen Grill bei der nächsten Gartenparty einfach mal mit Holz anzufeuern und dabei auf weitere Brandbeschleuniger zu verzichten? Es muss ja nicht grade ein Feuerbohrer sein, um eine Flamme zu erzeugen, ein Streichholz genügt da schon. Wenn die Grundtechnik erst einmal sitzt, kann man später natürlich gern mal mit den Zündquellen variieren und z.B. einen Feuerstahl benutzen.

Exkurs – Feuerquellen:

Warum benutzen Outdoor Fans, Bushcrafter und Survival Experten so selten Feuerzeuge – immerhin  sind sie doch billig und so leicht zu bedienen?

Antwort: Weil sie sehr fragil und unzuverlässig sind. Einfache Gasfeuerzeuge sind billigst hergestellt und ganz sicher nicht auf Zuverlässigkeit und Langlebigkeit optimiert. Es ist fast schon lächerlich, diese Billigfeuerzeuge mit einem Nachfüllventil auszustatten, denn eine zweite Füllperiode überleben die wenigsten Exemplare. Wer zudem mal versucht hat, ein Feuer draußen und bei Wind mit solch einem Gerät zu entzünden, hat schnell frustriert aufgegeben. Genau dann, wenn man es dann wirklich am nötigsten bräuchte, z.B. durchnässt nach stundenlangem Regen, oder im Winter bei Schnee und Kälte, versagt das Feuerzeug gänzlich.

Alternativen wären ein Benzinfeuerzeug, oder eben ein Feuerstahl. Das Benzinfeuerzeug benötigt natürlich wieder Treibstoff, davon jedoch recht wenig. Mit dem Feuerstahl erzeugt man glühend heiße Funken, die einen präparierten Zunder sehr leicht entzünden können. Zunder findet man in der Natur immer und zu jeder Jahreszeit. Ich möchte hier als Beispiele nur die Birkenrinde und Baumharz nennen, aus denen man sich jeweils wunderbare Zunder herstellen kann.

Möchte man das Feuer nun zum regelmäßigen Kochen benutzen, genügt es natürlich nicht, mitten auf der grünen Wiese ein paar trockene Äste aufzustapeln und anzuzünden. Wir brauchen eine gut eingerichtete Feuerstelle, möglichst wind- und wettergeschützt und mit einer Möglichkeit unser Kochgeschirr (Topf, Pfanne, Wok) zu betreiben. Ganz einfach ist es, links und rechts ans Feuer einen Stein zu stellen, wodrauf dann der Topf stehen kann. Ein alter Grillrost kann natürlich auch gut benutzt werden. Mit etwas Zeit und Muße kann man sich natürlich wesentlich komfortablere Kochstellen einrichten

Natürlich braucht es Unmengen an Holzvorrat, um für längere Zeit regelmäßig ein Feuer zu unterhalten – das findet man nicht mal eben nebenan im Wald. Auch da ist Vorsorge besser als Nachsicht!

Eine sehr gute Möglichkeit auf der einen Seite Holz einzusparen und auf der anderen Seite keine große Feuerstelle einzurichten, ist der Bau eines sogenannten „Hobo –Kochers“ / Holzvergaserkochers. „Hobo“ ist die Bezeichnung für nordamerikanische Wanderarbeiter, die anscheinend diese Art des Kochers als mobile Kochlösung erfunden haben. Im Prinzip entzündet man Holz in einem Metallgefäß mit Luftlöchern (z.B. leere Konservendose) und benutzt dieses Feuer zum erwärmen seiner Mahlzeit. Die Erweiterung zum echten „Hobo“ oder Holzvergaser ist jedoch noch etwas raffinierter:

Bauanleitung Hobo Kocher:

Man nehme eine leere, große Konservendose. Diese ist ja bereits oben komplett offen (Deckel komplett ab). Diese Dose dreht man nun um, so dass die Öffnung auf dem Boden steht. Nun nimmt man eine kleinere Konservendose und stellt diese oben auf die größere Dose (auf den ehemaligen Boden) und zeichnet sich den Umriss dort an. Dieser Umriss muss nun irgendwie ausgeschnitten werden. Da das nicht so leicht ist (insbesondere ohne Werkzeug und Strom) schneidet man das Loch etwas kleiner aus (das muss nicht sehr ordentlich sein, wir wollen ja keinen Kunstpreis gewinnen) und schneidet dann rund herum Schlitze zur Markierung hin, so dass sich die kleinere Dose später mit etwas Überzeugungsarbeit dort hinein drücken lässt. Bevor man das jedoch tut, müssen wir noch ein paar Löcher in die Dosen bohren.

Zunächst bohren wir in die große Dose unten, also dort wo die Öffnung ist und früher einmal „oben“ war, ringsherum Löcher. Daher bekommt unser Feuer später den Sauerstoff zum Brennen. Wie viele Löcher Ihr bohren müsst? Das müsst ihr einfach austesten. Ich sag mal so: Mit einer Bohrmaschine habe ich mal 8mm Löcher in zwei Reihen rings um die Dose gebohrt und das hat hinterher gut funktioniert. Ist das erledigt, kommt die kleine Dose dran:

Von der kleinen Dose entfernen wir ebenfalls den Deckel und entgraten die Öffnung, denn das wird später unser Brennraum und wir wollen uns ja nicht ständig verletzen. Diese Dose bleibt richtig herum stehen. Auch hier bohren wir unten (diesmal das echte „unten“) rings um die Dose und unten in den Boden ganz viele Löcher. Dabei dürfen die Löcher in der Dosenwand ruhig größer (auch etwa 8mm) sein, aber im Boden nur kleine Löcher bohren oder stechen (Messer, Dosenstecher, 2mm Bohrer…). Nun werden noch ein paar kleine Löcher (auch etwa 2mm) an den oberen Rand der kleinen Dose gebohrt – das ist entscheidend.

Nun steckt man die kleine Dose in das mühsam geschnittene Loch der großen Dose, bis beide Dosen oben bündig sind. Das sollte im Normalfall sehr stabil sein.

Wie funktioniert das jetzt, und warum Holzvergaser?

Den Hobo füllt man nun mit dünnen Ästen oder geschnittenen Holzspänen und zündet das Ganze von oben an. Es dauert eine Weile, bis sich das Feuer entwickelt, aber durch den Kamineffekt sollte das ganz gut gelingen. Brennt das Feuer weit genug runter, kann man von oben regelmäßig Äste und Holz nachlegen, so lange man den Kocher eben benötigt. Die Hitze, die sich unten im Hobo entwickelt, lässt brennbare Gase aus dem Holz entweichen, die normalerweise als störender Qualm am Feuer aufsteigen würden. Der Kamineffekt jedoch saugt den Qualm durch die unteren Löcher in den Zwischenraum der beiden Dosen und lässt ihn wie durch Düsen durch die kleinen Löcher der inneren Dose ganz oben in die Flammen hineinblasen. Das Ergebnis ist ein nahezu rauchfreies und sehr sparsames Kochfeuer, welches im kühlen Zustand auch noch ziemlich gut transportabel ist.

Fazit: ein Hobo lässt sich aus einfachsten Materialien herstellen und bietet eine sparsame Kochstelle für kleinere Gerichte oder Getränke. Er eignet sich nicht zum Heizen, da er fast keine Wärme zu den Seiten abstrahlt.

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