Bienenkiste adé – Umzug ins Magazin

Ein Jahr habe ich Sie geprüft, bei Imkerkollegen verteidigt, sogar Werbung für sie gemacht – die Bienenkiste. Nach nun etwa genau einem Jahr habe ich mich nun entschieden, mich von ihr zu trennen – im Guten. Wir wollen definitiv Freunde bleiben.

Eines steht fest: Ohne die Bienenkiste wäre ich niemals zur Imkerei gekommen. Ich hatte immer das Bild von alten Leuten im Kopf, die mit ihrer Pfeife inmitten von Bienenschwärmen stehen, wenn ich an „normale“ Imkerei gedacht habe. Dieses Bild hat sich heute grundsätzlich geändert. Sicherlich sind die Imkervereine voll mit älteren Imkern, doch das birgt einen enormen Wissens- und Erfahrungsschatz in sich. Die Imkerei funktioniert, trotz einiger Neuerungen und wissenschaftlicher Fortschritte, noch genauso, wie vor Jahrzehnten. Neue Beutesysteme bringt auch jüngere Menschen – wie mich – zur Imkerei, und das ist gut so.

Bienenkiste geöffnet

Direkt zur Anleitung, wenn ihr meine Gründe nicht lesen wollt.

Nun, warum habe ich mich jetzt doch gegen die Bienenkiste entschieden?

In dem Jahr, wo die Bienenkiste meinen Bienen als Zuhause dienen durfte, habe ich einiges gelernt. Ich habe einen starken Schwarm in die Bienenkiste einlaufen lassen. Ich durfte mit einer Kamera in der Kiste die Entwicklung beobachten. Parallel dazu habe ich jedoch auch ein Volk im Magazin betreuen dürfen. Die Vorteile der Bienenkiste sehe ich für alle Menschen, die die Bienen in erster Linie aus ideellen Gründen halten möchten. „Gib der Biene ein Zuhause“. Das birgt eine Menge an Verantwortung, denn die Pflege der Bienen muss heutzutage leider der Mensch übernehmen, ob nun Kiste oder Magazin. Die Varroa führt ohne Behandlung nach einiger Zeit definitiv zum Tod des Volkes. Jeder Schwarm, der nicht eingefangen wird, ist nicht zu retten. Daher muss auch ein Kistenimker genau so gegen die Milbe behandeln, wie ein konventioneller Imker.

Wechselgründe:

1.) Ein System
Da ich parallel eh noch Bienen in Magazinbeuten habe, bedeutet es doppelten Aufwand und mehr Equipment, einen weiteren Beutetyp zu unterhalten.

2.) fehlende Kontrolle
Was für die Idealisten ein Vorteil sein mag, für mich bedeutet die fehlende Kontrolle: Ich sehe nur sehr schlecht, wenn mit meinem Volk etwas nicht stimmt. Bei dem Magazin kann ich bei der Frühjahrsdurchsicht genau sehen, wie viel Futter die Bienen noch haben. In der Bienenkiste wird gewogen und geschätzt. Ich hatte zum Beispiel noch vor wenigen Tagen die Bienenkiste gewogen und dann errechnet, dass die Bienen schon am Hungertuch nagen müssten. Beim späteren zerlegen der Kiste war noch etliches an Futter und sogar schon Honig drin. So kann man sich vertun…
Das Begutachten des Brutnests kann einem Imker viel über sein Volk verraten. In der Bienenkiste leider nicht möglich

3.) Schwarmkontrolle
Wer mit der Bienenkiste imkert, muss zu 100% mit Schwärmen rechnen. Dies zu verhindern ist mit dem System unmöglich (und auch nicht gewollt!). Da ich mit ziemlicher Sicherheit nicht jeden Schwarm sehen würde, kam das für mich nicht in Frage – nicht jetzt, wo ich die Alternativen der Schwarmkontrolle kenne.

4.) Honig
Nicht der wichtigste, aber auch ein Grund: Die Honigernte. Zunächst kann man im Magazin den Honigraum strikt vom Brutraum trennen (Absperrgitter) und hat somit 100% brutfreie Honigwaben. Das mag in der Kiste auch fast immer funktionieren, aber ich habe auch schon andere Berichte gehört. Zudem lassen sich die ungerahmten Waben aus der Bienenkiste wohl nicht schleudern und man muss die Waben zermatschen um an den Inhalt zu kommen. Wenn man nur Bienenkisten betreibt, sicherlich machbar, doch wenn man eh schon Waben schleudert und dann noch zusätzlich weiteren Aufwand betreiben soll – unglücklich.

Bienenbeute DNM

Fazit:

Die Bienenkiste ist kein schlechtes System, doch für mich persönlich nicht mehr ideal. Der Wechsel ins Magazin hat gut funktioniert und ich würde es genau so wieder tun.

Anleitung: 
(Hier gibt es ein Video dazu)

Bevor man anfängt, sollte man sich das gesamte Material, wie Smoker, Stockmeißel, Schutzkleidung, usw. bereitstellen. Ebenso braucht ihr einen Platz fernab der Bienen, wo ihr später zügig das alte Wabenwerk aus der Bienenkiste in eure Rähmchen „basteln“ könnt. Dazu braucht ihr ein Messer, eine scharfe Holzsäge und Kabelbinder (evtl. eine Zange, um den Draht zu entfernen). Legt viel Papier oder etwas anderes aus, sonst klebt hinterher alles.

1.) Die Bienenkiste einige Meter woanders hin stellen.
2.) Ein vorbereitetes Magazin mit einer Zarge Mittelwänden an den alten Bienenkisten Standort stellen. Lasst noch Platz für etwa 3 Rähmchen, um eure Bienen einfegen zu können.
3.) Die Bienenkiste auf den Rücken legen und öffnen (Rauch geben)
4.) Falls der Honigraum schon voll ist, leer räumen
5.) Die Halteleiste für die Trägerleisten entfernen
6.) Nun kann man auf einer Seite beginnend vorsichtig die einzelnen Waben mit ihren Leisten herausziehen. Evtl. muss man vorher mit einem Messer die am Holz verbauten Teile lösen.
7.) In der Zwischenzeit sind schon viele der Flugbienen um das neue Magazin herum.
8.) Mit jeder herausgenommenen Naturwabe geht ihr nun zum Magazin, öffnet den Deckel und fegt die Bienen von der Wabe hinein.
9.) Mit den bienenfreien Waben geht es nun zur „Bastelecke“
10.) Erst wenn ihr alle Bienen abgefegt habt, begebt ihr euch zur Bastelecke und begutachtet die Waben. Versucht so viele der alten Waben in eure Rähmchen zu verpflanzen. Messt dazu den Zwischenraum eurer Rähmchen aus und sägt dann die Trägerleisten entsprechend ab. Sorgt dafür, dass ihr zumindest das gesamte Brutnest „verpflanzt“. Ich habe die Leisten mit Kabelbindern an den Rähmchen befestigt. Gebt dabei acht, das Ganze ist nicht sehr stabil. Bewegt es also vorsichtig. Die Bienen werden das später fest anbauen. (Siehe Video).
11.) Hängt nun die Rähmchen mit dem Naturbau in eine Zarge. Achtet darauf, dass auch noch Bienen zwischen die Leisten hindurch passen müssen. Falls ihr zu viele Rähmchen voll bekommt, hängt ein paar in die Zarge, die nun schon mit Mittelwänden besetzt ist.
12.) Eventuell wollt ihr dem Volk auch am Anfang noch ein wenig Flüssigfutter geben, auch dafür braucht ihr Platz.
13.) Nehmt nun die Naturbauzarge und setzt sie unter die bereits aufgestellt Zarge. Ihr werdet sehen, dass die restlichen Bienen dann auch ganz fix in die Beute einziehen.
14.) Nehmt das restliche Wabenwerk, was noch übrig ist und sortiert die Teile heraus, in denen sich Honig oder Futter befindet. Packt diese in ein Küchensieb und zerschneidet diese.
15.) Den so gewonnenen „Honig“ könnt ihr natürlich selber essen, oder viel besser – den Bienen zurück geben, quasi als Starthilfe.
16.) Den Rest Wachs schmeltz ihr ein, damit sich eventuell übersehene Brut nicht weiter darin quält.

Wenn ihr wollt, könnt ihr dann irgendwann, wenn der untere Brutraum frei wird, die Naturbauwaben entfernen. Kontrolliert nun, ob eure Königin den Umzug gut überstanden hat. Sind die Bienen sehr unruhig, auch einen Tag später noch? Normalerweise sollte alles ziemlich ruhig sein. Bei gutem Wetter sollten die Bienen auch am nächsten tag schon normal fliegen. Macht mal morgens oder Abends die Klopfprobe: einmal ans Holz klopfen und horchen – die Bienen brausen einmal kurz auf und sind sofort wieder ruhig, das wäre ein gutes Zeichen.

Ich wünsche euch viel Erfolg!

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